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Die Schweinehaltung ist in den letzten Jahren immer unwirtschaftlicher geworden. In der Politik wird derzeit die Einführung einer Ausstiegsprämie für Schweinebauern diskutiert, um Ihnen den Ausstieg zu erleichtern. Ist der Ausstieg der richtige Schritt? Oder sollte das Geld lieber als Förderung der Umgestaltung investiert werden? Alle Hintergründe und wie diese Maßnahmen aussehen würden, haben wir für Sie zusammengefasst.

Schweinehaltung – hoher Aufwand, geringer Ertrag

Seit langem sind die Preise, die Schweinehalter für ihre Tiere erhalten, so niedrig, dass nicht einmal mehr die Betriebskosten gedeckt werden können. Derzeit macht eine Vielzahl der Schweinebauern 20 bis 70 Euro Verlust – pro Tier. Viele Landwirte, die in diesem Bereich tätig sind, sind der Meinung, dass diese Branche betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr ergeben würde. Der geringe Ertrag würde die große Arbeitsintensität nicht mehr rechtfertigen.

Schweinehaltung ist arbeitsintensiv, bringt aber wenig Ertrag.

Schweinepreise seit langem im Keller

Gründe für die zunehmende Unwirtschaftlichkeit der Branche sind vielschichtig. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden viele Feste abgesagt und Kantinen geschlossen. An diesen Orten würde normalerweise Schweinefleisch angeboten, wozu es aber nicht kam. Aufgrund dessen kam es zu einem “Schweinestau”. Das Angebot an Schweinefleisch hat die Nachfrage deutlich überschritten. Zusätzlich hat die afrikanische Schweinepest den Absatz der deutschen Schweinebauern erschwert. Diese hatte die Einführung von Exportbeschränkungen von deutschem Schweinefleisch zur Folge. Darüber hinaus galt China lange als Importland. Dort wurde aber im Zuge des Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest und der damit einhergehenden Exportbeschränkungen aus Europa die Produktion ausgeweitet und andere Erzeugerländer wie Spanien oder Dänemark liefern jetzt nach Deutschland statt nach China. Das führt zu einem Überangebot an Schweinen auf dem deutschen Markt. Zusätzlich gibt es in Deutschland deutlich höhere Anforderungen an die Produktion als in vielen anderen Ländern. Eine Vielzahl an Auflagen für die Schweinezucht und Stallgestaltung, aber auch Anforderungen an das Tierwohl und den Arbeitsschutz erschweren es den Schweinebauern mit der internationalen Konkurrenz preislich mitzuhalten.

Vielzahl der Schweinehalter ziehen eine Betriebsschließung in Betracht

Viele Schweinehalter haben bereits ihren Betrieb geschlossen. Weitere ziehen das aktuell in Betracht. Laut dem statistischen Bundesamt gab es Ende des Jahres 2021 noch 18.800 Schweinehalter in Deutschland. Zehn Jahre zuvor waren es noch 30.000. Alleine im letzten Jahr hat jeder Elfte seinen Betrieb aufgegeben. Laut einer Umfrage der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland wollen rund die Hälfte der Schweinehalter aus der Branche aussteigen. Die Universität Kiel hat mit einer Umfrage herausgefunden, dass sich 60% der Schweinehalter einen bezahlten Ausstieg vorstellen könnten. Gründe dafür seien die Summe der Auflagen, das schlechte Ansehen in der Gesellschaft, die niedrigen Verkaufspreise sowie die hohen Betriebskosten.

Derzeit sind zu viele Schweine auf dem Markt. Dadurch sinkt der Verkaufspreis, gleichzeitig steigen aber die Kosten für Futter und Schlachtung. Kosten können durch Erträge nicht mehr gedeckt werden. Auflagen über die Gestaltung der Ställe verändern sich immer wieder und verhindern eine Planungssicherheit der Schweinehalter. Eine Umstellung der Betriebe ist häufig nicht leicht. Neben hohen finanziellen Kosten stellen sich teilweise auch Landkreise aus Angst vor Seuchen quer.

Schweinebauern ziehen Betriebsschließung in Betracht

Ist eine Ausstiegsprämie für Schweinebauern sinnvoll? 

Eine Ausstiegsprämie könnte ähnlich wie in den Niederlanden auch in Deutschland umgesetzt werden. Der Bund würde demnach den Schweinehaltern eine Prämie zahlen, die ihren Betrieb niederlegen möchten. Dadurch soll das derzeitige Überangebot an Schweinen auf dem deutschen Markt reduziert werden und Aussteigern aus der Schweinehaltung eine Starthilfe und eine Perspektive geboten werden. Zusätzlich sollen dadurch Umweltbelastungen reduziert werden. Der Preis für Schweinefleisch soll aufgrund dessen wieder steigen und Schweinebauern sollen wieder in der Lage sein, ihre Kosten zu decken. Dieses Vorgehen scheint logisch zu sein, jedoch wird bei den derzeitig geltenden Regelungen vermutet, dass die dadurch fehlende heimische Menge an Schweinefleisch durch günstige Importe schnell wieder aufgefüllt werden würde. Der Preis wäre somit weiterhin niedrig und deutsche Schweinebauern müssten mit internationalen Schweinebauern konkurrieren, die weniger strenge Anforderungen an Umwelt- und Arbeitsschutz sowie Tierhaltung einhalten müssen. Außerdem würde dieses Vorgehen einen Rückgang der deutschen Schweineproduktion subventionieren und gerade durch die derzeitige Energiekrise hat man gesehen wie elementar eine heimische unabhängige Produktion sein kann.

Ist eine Umstiegsprämie sinnvoller?

Viele Politiker, Landwirte und Branchenvertreter kritisieren eine Ausstiegsprämie aus der Schweinezucht und fordern stattdessen eine Umstiegsprämie. Die Erhaltung der heimischen Schweinezucht sei wichtig für die deutsche Wirtschaft und könnte durch eine derartige Prämie nachhaltiger gestaltet werden. Eine derartige Umstiegs- oder Zukunftsprämie sollte so gestaltet sein, dass sie nicht den Ausstieg aus der Schweinezucht subventioniert, sondern die Verbesserung der Tierhaltungsbedingungen. Dadurch soll ermöglicht werden, die Ställe so umzubauen, dass sie einer höherwertigen Tierhaltung entsprechen. Dadurch würden weniger Tiere auf dem gleichen Raum gehalten werden und somit würde diese Methode ebenfalls zu einer Reduzierung der Anzahl der Tiere führen. Gleichzeitig würden Umweltbelastungen reduziert und eine weiterhin stattfindende heimische Produktion könnte gewährleistet werden. Das Problem dabei ist die kostengünstige internationale Konkurrenz. Diese kann nur durch Vorgaben der Regierung oder Initiativen der Supermarktketten gebremst werden.

Umstiegsprämie hat den Vorteil der Schaffung einer nachhaltigen Schweinezucht.

Supermärkte heben Anforderungen an Schweinefleisch

Zu einem gewissen Grad haben sich verschiedene Supermarktketten genau diesem Ziel gewidmet und wollen mehr Fleisch aus höherwertiger bzw. heimischer Tierhaltung anbieten. Eine Methode ist die Initiative “5xD”. Diese besagt, dass das Fleisch, welches in Supermärkten erhältlich sein soll, alle fünf Phasen des Produktlebenszyklus in Deutschland durchlaufen soll. Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung müssen dementsprechend in Deutschland stattfinden. Mehrere Supermarktketten wie Aldi, Penny, Rewe, Kaufland und Lidl haben bereits beschlossen, ab diesem Jahr an dieser Initiative teilzunehmen. Diese Initiative bezieht sich jedoch nur auf Frischfleisch. Frischfleisch macht derzeit aber nur ⅓ des gesamten Fleischangebotes in Supermärkten aus. Lidl geht einen Schritt weiter und will sowohl hinsichtlich Frischfleisch als auch in Bezug auf Verarbeitungsware die Kriterien von “5xD” erfüllen. Zusätzlich haben sich mehrere Supermarktketten dazu verpflichtet, schrittweise Fleischprodukte aus qualitativ geringen Tierhaltungsbedingungen aus dem Sortiment zu nehmen. Demnach wollen Aldi, Edeka und Lidl ab 2025 keine Fleischprodukte der Stufe 1 der Haltungsform anbieten und ab 2030 sollen nur noch Fleischprodukte der beiden höchsten Haltungsformstufen bei Aldi, Edeka, Penny und Rewe erhältlich sein.

Umstiegsprämie statt Ausstiegsprämie

Die Initiative “5xD” und die Anhebung der Tierhaltungsbedingungen sind bereits Schritte in die richtige Richtung. Eine langfristige Hilfe für Schweinebauern wäre wohl nur eine Kombination aus der Stärkung der heimischen Produktion und der Anhebung der Kriterien für jegliche Fleischprodukte aus anderen Ländern. Dadurch könnte zusätzlich eine nachhaltigere Ausgestaltung der Branche gewährleistet werden. Dementsprechend wäre eine Umstiegsprämie auf lange Sicht wohl sinnvoller als eine Ausstiegsprämie, um nicht nur die Kosten der Schweinebauern zu decken, sondern auch das Tierwohl zu steigern und die heimische Schweinefleischproduktion aufrecht zu erhalten,

Quellen:

(Fürst, BR, Tagesschau, 13.12.2021, Landwirtschaft: Ausstiegsprämie für Schweinebauern? | tagesschau.de)
(Hungerkamp, agrarheute, 15.10.2022, Aussteigen oder Umsteigen? Das sagen Schweinehalter | agrarheute.com)
(Kampmann, NDR, Tagesschau, 21.10.2021, Schweinehalter in der Krise: Viel Arbeit, viel Verlust | tagesschau.de)
(Klay, Abendblatt, 01.06.2022, Schweinebauern in der Krise: Dieser Plan soll gegen das Höfesterben helfen – Hamburger Abendblatt)
(Verbraucherzentrale, 19.07.2021, Tierhaltung: Stellt Handel Weichen für Verbesserungen? | Verbraucherzentrale.de)